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Männer ohne Obdach könnten auch in Marburg bald in ein VinziDorf ziehen, dazu gehören kleine Tiny-Houses (l.). Wer sich dafür persönlich einsetzen möchte, ist beim Engagement-Bündnis herzlich willkommen.
Die Männer sind aber nicht völlig auf sich alleine gestellt, sie werden im Rahmen von VinziDörfern unterstützt. So gibt es ein zentrales Verwaltungs- und Versorgungsgebäude, das auch als gemeinschaftlicher Treffpunkt genutzt werden kann. kann.

Engagement-Bündnis beitreten und Zukunft mitgestalten
VinziDorf für Marburg - Obdach für Wohnunglose - mach mit!

Obdachlosen ein Zuhause geben – dies ist das Anliegen des Konzepts der VinziDörfer aus Österreich. Ein „Vinzi-Dorf“ besteht aus Kleinsthäusern für obdachlose Männer, für die es sonst keine Bleibe gibt. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GeWoBau Marburg-Lahn und die Universitätsstadt Marburg haben diesen Ansatz zusammen mit sozialen Einrichtungen und Engagierten in Marburg aufgenommen. Das „VinziDorf Marburg“ soll Realität werden – mit möglichst breiter Unterstützung der Stadtgesellschaft. Wer Teil des Engagements-Bündnisses für ein VinziDorf in Marburg sein möchte, kann sich über die Beteiligungsplattform MarburgMachtMit der Universitätsstadt unter https://marburgmachtmit.de/VinziDorf melden. 

Im Rahmen der Zukunftsreihe „Marburg800-weiter denken“ des Stadtjubiläums hatte Architekt Alexander Hagner seinen Ansatz der „Architektur für Obdachlose“ vorgestellt. Weitere Informationen zum „VinziDorf Marburg“ finden Sie hier. Den Vortrag "Häuser für die Unbehausten" von Hagner können Sie sich ebenfalls im Livestream-Archiv hier ansehen. 

Marburg feiert 2022 seinen 800. Stadtgeburtstag und widmet sich dabei unter dem Motto „Marburg erfinden“ den Zukunftsfragen der Stadt. Dazu gehörte von Beginn an, sich mit Wegen aus der Obdachlosigkeit zu beschäftigen und als Universitätsstadt im Jubiläumsjahr Impulse aufzugreifen und zu setzen, die zur Umsetzung von innovativen Projekten führen sollen.

Hagners Idee wurde in Wien und Graz mit der „Vinzenzgemeinschaft Heiliger Lazarus (VinziWerke)“ als Träger und Namensgeber umgesetzt. Der Name wurde für das Dorf in Marburg übernommen, und zwar nicht nur, weil das Konzept in Marburg ähnlich ist. Das Wort „Vinzi“ klingt auch ähnlich wie „winzig“ und spielt damit auf ein Kernelement des Konzepts an.

Mach mit: Wie kann ich die Pläne für ein VinziDorf persönlich unterstützen - jetzt hier dabei sein

Denn jeder Bewohner erhält sein eigenes, kleines Haus mit grundlegender Möblierung und sanitärer Grundausstattung. Für viele Menschen, die schon lange auf der Straße wohnen, kann es schwierig sein, es länger mit anderen in einer Gruppe auszuhalten. Genau für diese Menschen kann das „VinziDorf“ eine passende Lösung sein. Jeder Bewohner lebt in seinem eigenen Tiny-Haus. Die Männer sind aber nicht völlig auf sich alleine gestellt, sie werden pädagogisch unterstützt. So gibt es ein zentrales Verwaltungs- und Versorgungsgebäude, das auch als gemeinschaftlicher Treffpunkt genutzt werden kann. Die GeWoBau Marburg-Lahn plant den Bau der kleinen Häuser. Die Unterbringung und Betreuung der obdachlosen Menschen wird durch die Stadt erfolgen, die dafür gesetzlich zuständig ist.

Eingebettet ist das Projekt VinziDorf Marburg in die Weiterentwicklung vorhandener Strukturen für obdachlose Menschen in Marburg, die vom Fachbereich Soziales und Wohnen der Stadt vorangebracht wird. Der jetzige Standort mit den Unterkünften der Stadt im Ginseldorfer Weg soll durch insgesamt drei Angebote ersetzt werden. Neben dem bereits bestehenden Angebot des Probewohnens, bei dem Betroffene mit pädagogischer Unterstützung in ein reguläres Mietverhältnis zurückkehren, sind neue geschlechtsspezifische Wohnformen geplant. Das VinziDorf ist für obdachlose Männer gedacht. Für Frauen, Paare und Familien ist ein Haus mit separaten Wohneinheiten vorgesehen, wofür es bereits ein geeignetes Objekt im Stadtteil Ockershausen gibt. Das Vorhaben wurde u.a. im Ortsbeirat vorgestellt und findet wohlwollende Unterstützung im Stadtteil.

Für zehn von Obdachlosigkeit betroffene Männer, für die es keine andere Möglichkeit der Unterbringung gibt, soll das VinziDorf eine Perspektive schaffen. Menschen in Obdachlosigkeit haben in Marburg einen hohen Stellenwert und die Sozialplanung der Stadt möchte auch ihnen eine sichere Unterkunft ermöglichen. Bei der Planung und Umsetzung des „VinziDorf Marburg“ werden die Betroffenen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ebenso wie die Marburger Stadtgesellschaft einbezogen.

Daher wurde ein Projektbeirat gegründet, in dem ein breites Bündnis unterschiedlicher Einrichtungen vertreten ist. Dazu gehören die Caritas Marburg, das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf, die Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf, die GeWoBau Marburg-Lahn, der AStA und Vertreter der Philipps-Universität Marburg. Mit dabei sind auch der Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadtverordnetenversammlung sowie der Oberbürgermeister und die Stadträtin zusammen mit fachlich Zuständigen der Verwaltung.

Als ersten Schritt zur Beteiligung der Stadtgesellschaft hat der Projektbeirat einen Workshop am 7. April 2022 durchgeführt, bei dem es darum ging, Kriterien für einen Standort des VinziDorfs in Marburg gemeinsam zu erarbeiten.

Lesen Sie hier mehr zum ersten Workshop für ein VinziDorf

Auch die Ergebnisse einer Befragung von Betroffenen fließen in die Entwicklung von Kriterien ein. Zudem kamen bei dem Workshop Menschen, die an einem Engagement für das VinziDorf Marburg interessiert sind, ins Gespräch und sie konnten ihre Ideen und Fragen einbringen.

 

Darüber hinaus lädt der Projektbeirat interessierte Marburgerinnen und Marburger dazu ein, dem Engagement-Bündnis für ein „VinziDorf Marburg“ beizutreten. Das Bündnis ist dabei offen für ganz unterschiedliche Wege, das VinziDorf Marburg zu unterstützen. So ist es möglich, ganz unkompliziert ein persönliches Zeichen zu setzen und sich bereit zu erklären, mit dem eigenen Namen für das Projekt einzustehen oder in persönlichen Gesprächen mit Freund*innen oder Nachbar*innen für die Idee des Projekts zu werben.

Engagierte können aber auch eine Zeitlang bei dem Bau der kleinen Häuser oder bei der An-legung eines Gartens helfen. Auch später können Marburger*innen, die sich längerfristig ein-bringen möchten, mitwirken, zum Beispiel bei der Nachbarschaftsarbeit oder durch Angebote im Bereich Kochen oder Bewegung. Alle Formen des Engagements sind willkommen. Interes-sierte werden zu der Frage beraten, wie sie am besten mitmachen können.

Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es auf der Website der GeWoBau Marburg-Lahn (https://www.gewobau-marburg.de/neubau/neubau-117copy.html ) oder bei der Sozialplanung der Stadt Marburg: Monique Meier, Telefon: 06421 201-1933, Monique.Meier@marburg-stadt.de .
Kontakt zum Engagement-Bündnis über Fachdienst Bürger*innenbeteiligung: Carina Bangert (06421) 201-1002, carina-bangert@marburg-stadt.de

Informationen zum VinziDorf Wien finden Sie unter: https://www.vinzi.at/vinzidorf-wien/.

Ein anderes Projekt rund um das Thema Obdachlosigkeit in Marburg ist zum Stadtjubiläum die Ausstellung "Elisabeth hat (k)ein Bett". Vom 28. März bis 30. November können in einem Schutzcontainer Einblicke in die Lebenswelten wohnungs- und obdachloser Menschen in Marburg gewonnen werden.

Zudem wird eine Stadtschrift zum Thema Obdachlosigkeit in Marburg entstehen. Infos finden Sie hier.

Imp
ressionen

VinziDorf © Foto von Stadt Marburg
VinziDorf © Foto von Stadt Marburg
VinziDorf © Foto von Stadt Marburg
VinziDorf © Foto von Stadt Marburg
© Januar 2022 - marburg800