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Zu einem reizvollen Rundgang durch die Stadt, der rund eineinhalb Stunden dauert, lädt Marburg800 ein. Er startet und endet an der Elisabethkirche, führt quer durch die Oberstadt und lädt zu Pausen im Schlosspark,im Alten Botanischen Garten oder am Michelchen ein. (Foto: Mattis Weber)
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Der Elisabethschrein in der Elisabethkirche: Der Themenweg widmet sich auch den prägenden Gestalten der Stadt wie der Heiligen Elisabeth und den Pilgern. (Foto: Georg Kronenberg)
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Die Universität prägt Marburg seitJahrhunderten. Die Uni und die Studierenden sind Thema des Rundweges. (Foto: Georg Kronenberg)
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Emil von Behring im Labor - er steht für Marburg erinnern und für den heutigen Pharmastandort. (Foto: Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin der Philipps-Universität Marburg)
Neuer Stadtspaziergang zum Stadtjubiläum denkt auch an Pausen

Neuer Themenweg lädt zur Entdeckungsreise quer durch 800 Jahre Marburg ein

Es sind kleine Entdeckungstouren, die auf vielen Wegen durch Marburg führen: Neun Stadtspaziergänge zum eigenen Erkunden hat die Universitätsstadt bereits. Mit dem Flyer oder dem Handy in der Hand können sich Einheimische und Gäste etwa auf die Spuren der Brüder Grimm, Martin Luthers (Reformationsroute), Emil von Behrings, des jüdischen Marburg, der Universität, der Marburgerinnen, der Hexen oder Emil von Behrings begeben. Im Jubiläumsjahr Marburg800 kommt ein neuer Stadtspaziergang hinzu, der durch acht Jahrhunderte Marburg führt. Den Flyer zum Rundgang finden Sie unten zum Download.

„Uns hat immer ein Themenweg gefehlt, der die gesamte Geschichte Marburgs umfasst“, sagt der Kurator des Stadtjubiläums Marburg800, Richard Laufner. Anfang 2022 wird es nun einen Stadtspaziergang geben, der diesen Überblick mit einem entspannten Gang durch die Universitätsstadt verbindet: „Das ist ein sehr reizvoller Parcours durch 800 Jahre Marburg“, so Laufner. Der Rundweg dauert eineinhalb bis zwei Stunden. Er startet und endet an der Elisabethkirche, führt quer durch die Oberstadt und lädt zu Pausen im Schlosspark, im Alten Botanischen Garten oder am Michelchen ein. Dabei setzt die Tour eigene Schwerpunkte. Neben den prägenden Gestalten der Stadt — der heiligen Elisabeth, Landgraf Philipp sowie Emil von Behring — geht es auch um die „Stadt der Pilger“, den Aufschwung durch die Preußen, das „rote“ und das „braune Marburg“. Themen sind Marburgs Katastrophen von der Jahrhundertflut über die Pest und den Hessenkrieg bis zum Marburg-Virus sowie das „Marburg der Superlative“.

Start an der Elisabethkirche 

Los geht es aber natürlich vor den einstigen Toren der Stadt, wo die heilige Elisabeth in einem „kleinen Häuschen aus Lehm und Holz“ wohnte und ein Hospital mit Kapelle errichtete. Heute steht hier die Elisabethkirche. Mit dem Tod der heiligen Elisabeth wurde Marburg zu einer Stadt der Pilger. Die christlichen Wanderinnen und Wanderer lösten einen fast 100 Jahre andauernden Bauboom aus und haben viele Spuren in der Stadt hinterlassen. Davon zeugt auch das „Michelchen“, wenngleich die frühere Pilgerkapelle heute eine stille Oase ist.

Beendet wurde der Kult um die heilige Elisabeth durch Landgraf Philipp, unter dessen Herrschaft die Reformation offiziell eingeführt wurde — gegen den Willen von Kaiser und Papst. Er lud Martin Luther und Huldrych Zwingli zu einem berühmten Religionsgespräch ins Landgrafenschloss. Und er hinterließ Marburg das bis heute „größte Kapital der Stadt“, die Philipps-Universität, die heute älteste protestantische Universität der Welt.

Knapp drei Jahrhunderte später wurde Marburg zum Schauplatz der Romantik. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm studierten hier — der Weg führt an ihrem Wohnhaus vorbei. Regelmäßig trafen sie sich im Forsthaus mit dem Romantischen Kreis, zu dem neben dem Rechtsgelehrten Carl von Savigny auch die Romantiker Clemens und Bettina Brentano, Karoline von Günderrode, Achim von Arnim und Sophie Mereau zählten.

Als die preußischen Truppen 1866 in der Universitätsstadt einmarschierten, wurden sie von den Studenten mit Hochrufen, Bier und Käsebroten begrüßt. Tatsächlich bescherten die Preußen der Stadt den gewünschten Aufschwung. Die Zahl der Menschen verdreifachte sich, Marburg weitete sich bis zum Bahnhof aus, die Universität blühte auf, die Kasernen entstanden. Bald darauf wurde der spätere Medizin-Nobelpreisträger Emil von Behring, der den Impfstoff gegen die Diphtherie entwickelte, an die Philipps-Universität berufen. Er gründete die Marburger Behringwerke, deren Nachfolgeunternehmen Marburg zu einer vergleichsweise wohlhabenden Stadt gemacht haben. Der Corona-Impfstoff von Biontech wird inzwischen hier produziert.

Das „braune Marburg“ lässt sich vor dem Kilian (einst Sitz der Gestapo) nur noch erahnen. Dabei galt die Stadt schon lange vor 1933 als „Hort der Reaktion“ und „Nazihochburg“. Schon 1930 war die NSDAP in Marburg stärkste Partei, 1932 erreichte sie die absolute Mehrheit, im Landkreis sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Als Adolf Hitler am 20. April 1932 in Marburg auftrat, versammelten sich 20.000 Menschen auf der Bürgerwiese.

Während die NS-Vergangenheit schnell verdrängt wurde, galt die Universitätsstadt seit den 1968er Jahren als „rote Hochburg“. Zu verdanken hat sie diesen Ruf vor allem Professor Wolfgang Abendroth (1906–1985). Der Antifaschist, der während der NS-Zeit gefoltert, zu Zuchthaus verurteilt wurde und sich der griechischen Widerstandsbewegung anschloss, galt als „Partisanenprofessor im Lande der Mitläufer“. In Marburg begründete er die marxistisch geprägte „Marburger Schule“ und lockte vor allem in den 60-er und 70-er Jahren zahlreiche Studierende nach Marburg.

Ziel: Die neue Universitätsbibliothek

Das zeitgenössische Marburg wird mit der vorbildlichen Sanierung der alten Fachwerkhäuser in der Oberstadt, mit seiner Rolle als bundesweiter Vorreiter bei der Umwandlung der Kasernen für zivile Zwecke und dem neuen geisteswissenschaftlichen Campus Firmanei rund um den Alten Botanischen Garten vorgestellt. Und dann geht es noch um das „Marburg der Superlative“: Fast jede/r dritte Marburger*in studiert an der Philipps-Universität. Marburg ist die „Hauptstadt der Wohngemeinschaften“ und der Blinden. Nirgendwo in Deutschland ist das Kino so beliebt wie in Marburg.

Der neue Stadtspaziergang wird Anfang 2022 vorgestellt. Flyer, Text und Themenweg wurden von Journalistin Gesa Coordes erstellt.

Sie erhalten die Flyer zum Download auf dieser Seite unten, ab 10. Januar werktags zum kontaktlosen Abholen vor der Eingangstüre des Jubiläumsbüros, Pilgrimstein 28a, neben Aufzug, sowie je nach Pandamielage unter Einhaltung der Corona-Regeln im Tourismusbüro (MSLT), Erwin-Piscator-Haus. Alle vorherigen Themenwege finden Sie im Internet unter www.marburg.de/kultur-tourismus. Teilweise gibt es sie auch als Audioguides.

 

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Der Themenweg zu Marburg800 führt an 19 Stationen durch die Marburger Innenstadt.
Veranstaltungsort
von der Elisabethkirche
bis zur neuen Universitätsbibliothek
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© Januar 2022 - marburg800